Zurück zur Startseite
Den Artikel drucken

Team Braun und Blau 3 nach...

Artikel vom 05.01.2008 aus Hintergrund.

Wie agieren militärische MechVerbände auf der taktischen Ebene?
Eine gute Frage, denn die normale BattleTech-Literatur gibt hierfür nur wenig her. Zwar gibt es die 4th Nachfolgerkrieg Atlanten, die die strategischen Züge der kämpfenden Gruppierungen darstellen, und zahlreiche Romane die vor allem aus der Ich-Perspektive die Kämpfe beschreiben, aber eine allgemein gültige Darstellung taktischer Kämpfe ist so gut wie nie vorhanden. Vor allem aber keine die für den dritten Nachfolgerkrieg anwendbar ist.

Der folgende Artikel soll darauf eine Antwort geben. Animiert wurde er durch eine Szene aus der Robotech Serie.



Die taktische Ebene

Wie ich im Artikel BattleMech Regiment 3025 beschrieb, ist der grösste sich im Einsatz befindliche BattleMech-Kampfverband ein Regiment. Alles darüber hinaus sind Sondererscheinungen, auf die ich hier nicht eingehen werde.
Man kann also sagen, die Obergrenze für die taktische Ebene ist das BattleMech Regiment mit um die 108 BattleMechs sowie anderem Kriegsgerät.

Mit dieser Abgrenzung kann man arbeiten, solange man im Hinterkopf behält, das auch strategische Aspekte in die Arbeit eines Regimentskommandeurs einfließen. Wobei die strategische Ebene hier vielleicht etwas überdimensioniert ist und mit dem alten militärischen Begriff "operative" Ebene besser erfasst werden kann.
Kurz gesagt, jede militärische Einheit oberhalb der Zug- bis einschließlich der Regimentgrösse ist sowohl zum taktischen als auch operativen handeln in der Lage.

Ist somit eine Abgrenzung nach Größenordnung erfolgt, muss noch der Begriff "taktische" Ebene genauer erläutert werden. Die einfachste Erklärungsvariante bezieht sich auf das Schlachtfeld. In der Taktik befinden sich alle Einheiten auf dem gleichen begrenzten und sichtbaren Raum mit direkten Wirkungsbezug. In der operativen Ebene agieren die Einheiten getrennt ohne direkte Wirkung zueinander im selbstständigen Einsatz.
An einem einfachen Beispiel erläutert: Befinden sich die drei Bataillone im selbstständigen Einsatz auf drei verschiedenen Kontinenten, übt die Regimentsleitung eine operative Führung aus. Befinden sich die drei Bataillone aber auf dem gleichen Schlachtfeld zur gleichen Zeit, steuert die Regimentsführung ihre Bataillone auf einer taktischen Ebene.

Im folgenden beschäftigen wir uns mit der reinen taktischen Ebene.



Die Führung

Rechts in Deckung gehen; um die Hausecke luschen; Gegner fixieren; Hauptbewaffnung abschießen. Die einfachsten Tätigkeiten, welche einstudiert sind, unterliegen schon einer taktischen Komponente. Jeder der eine Infanterieausbildung genossen hat, kennt das drillmässige einstudieren von Verhaltensregeln im Einzel- sowie Verbandskampf. Dieses gilt natürlich auch für BattleMech-Piloten.
Trotzdem ist eine Führung notwendig. Steuert in einem Feuergefecht der Unteroffizier durch Leuchtspurmunition den Feuerschwerpunkt seiner von ihm befehligten Gruppe, so übt dieses der befehlshabende Offizier bei den Mechverbänden durch Direktbefehle oder durch Auftragserteilung aus. Ohne diese Einwirkung und deren Befolgung durch die untergebenen Einheiten, ist ein koordiniertes Vorgehen im Gefecht nicht machbar und es würde in einem Kampf der Einzelduelle ohne Schwerpunkte ausarten.

Marauder
Der Marauder
das bekannteste Befehlsfahrzeug
auf Kompanieebene
Die Führung macht aus einer Gruppe von Individualisten erst eine Einheit. Erfahrungsgemäß ist eine Einheit stärker als die Summe ihrer einzelnen Elemente. Daher versucht jeder militärische Verantwortliche die Führung so stark zu machen und so intensiv den Soldaten anzutrainieren, das sie ohne wenn und aber den erteilten Befehlen folgt. Ohne die Elemente Befehl und Gehorsam ist eine Führung im militärischen Sinne nicht möglich, auch wenn dem beispielgebenden Vorbild einem hohen Stellenwert zugeordnet wird.

In den Führungsarten unterscheidet man zwischen Direktbefehlen und dem Auftragsbefehl.

Der Direktbefehl wird häufig bei sehr strukturierten Kämpfen oder bei nicht so geschulten Personal angewendet. Manchmal macht auch die kulturelle Ausrichtung diese Form der Befehlsgebung notwendig. Mit einem Direktbefehl sagt man dem Befehlsempfänger, was er wie zu tun hat, z.B.: "Rot 3, gehen sie 500 Meter vorwärts und sichern sie das Gebiet östlich des Hügels gegen vermuteten ankommenden Feind."
Ein Direktbefehl gibt dem Untergebenen kaum Möglichkeit zu selbstständigen Entscheidungen.

Der Auftragsbefehl ist dagegen allgemeiner gehalten und weniger planvoll. Er erfordert vom Befehlsempfänger eine grössere Kompetenz in der Entscheidungsfindung und -ausübung, da er selbstständig Entscheidungen treffen muss. Der Auftragsbefehl wird im allgemeinen bei gut ausgebildeten Einheiten, sowie in unübersichtlichen Lagen angewendet. Ein Befehlsbeispiel: "Rot 3. Auftrag. Sichern Sie unsere linke Flanke gegen vermuteten Feind aus östlicher Richtung. Wir bewegen uns in Richtung Punkt 4-Bravo."
An diesem Beispiel sieht man, das der Soldat selbstständig sich die Stellung suchen muss, selbstständig im Sinne der oberen Führung bewegen muss. Er trifft also in Folge eine Vielzahl an Entscheidungen um den Auftrag "Sichern gegen Feind aus östlicher Richtung bis Punkt 4-Bravo." zu gewährleisten.

Wie man erkennt, erfordert eine taktische Führung eine Vielzahl an Aspekten. Ohne die Erfüllung derselben oder wenigstens ihrer Berücksichtigung ist eine Einheit im Normalfall zum Scheitern verurteilt. Daher wird die Verweigerung eines Befehles in allen militärischen Organisationen so hoch bestraft.



Verhalten im Kampf

Im Endeffekt ist dieses beim Mechkämpfen nicht viel anders als ein Panzerduell oder der Kampf der Infanteristen. Die Regeln für Feuerkonzentrierung, Geländenutzung, Informationsgewinnung, Tarnung und all die anderen Dinge kommen in meist leicht abgewandelter Form weiterhin zur Anwendung.

Das der BattleMech im Gegensatz zu einem Infanteristen oder Panzer eine umfangreichere Ausrüstung bzw. Möglichkeiten besitzt, ermöglicht dieses schon einem Zug von vier BattleMechs eine Vielzahl an Gefechtszenarien abzudecken wie Aufklärung oder Patrouille bis hin zu Jagdmissionen und dieses auch noch in unterschiedlichen Umgebungsformen. Dieses macht eine Mecheinheit somit flexibler, aber an der taktischen Komponente ändert es wenig.

Nun zum wesentlichen.
Ein BattleMech-Pilot ist für die Erhaltung seines BattleMechs verantwortlich, sowie die Erfüllung der an ihn erteilte Aufträge bzw. Befehle. Beides versucht er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Ausbildung zu erfüllen. Hierbei gibt es zwei Szenarien.
1. Die Mission gelingt.
2. Die Mission scheitert.

In beiden Fällen spielt es gerade im 31.Jahrhundert eine wichtige Rolle mit welchen Mitteln diese erreicht wurden. Eine Zerstörung der Kampfmittel ist immer zu vermeiden, wobei in beiden Fällen es Situationen gibt in der nichts anders möglich war.

Aus diesem Grund wird in der Ausbildung besonders der Kampfabbruch trainiert. Wird für den Piloten ersichtlich, das sein Fahrzeug nicht mehr oder nur noch bedingt Kampffähig ist, ist es seine Pflicht den Kampf abzubrechen. Nur auf direkten Befehl durch einen Vorgesetzten ist die Vernichtung des eigenen Gefährts zu riskieren.

Entsprechend ist der Bewegung auf dem Schlachtfeld höchster Priorität einzuräumen. Nur wer das Gelände "taktisch" lesen kann, sprich wer die Schuss- und Wirkungsbereiche, sowie besten Bewegungsstellen intuitiv erkennt, ist in der Lage das Gelände zu seinem Vorteil auszunutzen. Sich wie Wasser durch das Gelände zu bewegen und die natürlichen oder künstlichen Formen zu nutzen ist eine hohe Kunst.

Zu diesem Aspekt gehört die Aufklärung. Unter Infanteristen heißt es entsprechend: "Wer zuerst schießt, gewinnt."
Dieses trifft natürlich für BattleMechs nur bedingt zu. Unabhängig davon ist der Vorteil der erfolgreichen Aufklärung vorhanden und wird dazu genutzt sich einen Vorteil in Raum, Zeit und Stärke zu verschaffen. Gegenmaßnahmen wie Tarnung, elektronische Abwehrsysteme oder ähnliches sind Bestandteile jeder Ausbildung und gehören zum täglichen Brot des Soldaten.

"Wirkung vor Deckung" ist ein weiteres altes Sprichwort aus dem Militär und bedeutet nichts anderes, als das ein Gegner, der unter starken Beschuss steht, selten in der Lage ist zurückzufeuern. Wenn man sich aber versteckt, überlässt man dem Gegner die Initiative und kann nur Reagieren. Daher sollte man möglichst viel Wirkung durch Feuerkonzentrierung oder ähnlichem erzielen um den Gegner daran zu hindern seinen Plan umzusetzen.

Kann man also den Gegner daran hindern seine Ziele zu erreichen und zugleich die Eigenen umzusetzen, gewinnt man. Dazu muss man nicht automatisch den Gegner vernichten, es langt die Initiative zu erlangen und somit den Ort und Zeitpunkt jeder Konfrontation zu bestimmen. Entsprechend gilt meistens: "Aktion vor Reaktion".

Ob der einzelne Mechpilot oder der Regimentskommandeur, jeder setzt diese Aspekte in Entscheidungen und Befehlen um.
Nur müssen Kommandeure und Führer von Einheiten das ganze nicht nur aus der Warte ihres eigenen BattleMechs betrachten, sondern ihre untergebene Einheit als ein geschlossenes Element so führen, als ob man einen BattleMech steuert. Wer dieses erfolgreich umsetzt, übt taktisches Führen aus.



Taktik

Erst wenn man das Verhalten im Kampf verinnerlicht hat, ist man in der Lage Taktiken zu erarbeiten und umzusetzen.

Hierbei unterscheidet man landläufig zwischen:
+ Offensive Taktiken (Hinterhalt, Aufklärung, Patrouille, Scharmützel, Schnelle Überlegenheit, Geplanter Angriff)
+ Defensive Taktiken (Gegenseitige Unterstützung, Rundumverteidigung, Tiefe, Befestigungen ausnützen, Gegenangriff, Gelände ausnützen, Rückzug, Überwachen)
+ Täuschung (Ablenkungsmanöver, Täuschung und Irreführung)

Viele Taktikbezeichnungen findet man sowohl in der Strategie sowie im Operativen wieder.

Da BattleMechs in erster Linie in der Bewegung erfolgreich sind, fallen die statischen Taktiken häufig weg, wenn sie auch vereinzelt immer wieder erfolgreich angewendet werden, siehe auch Gray Death Legion -> Schlacht am Thunderriff.

Für BattleMech Kämpfe gelten insbesondere durch ihren hohen Panzerungsschutz, die hohe Feuerkraft und Beweglichkeit und nicht zuletzt durch ihre exzellenten Ortungs- und Kommunikationseinrichtungen besondere Rahmenbedingungen die zur berücksichtigen sind.

Dabei ist die Kunst des taktischen Agieren, auf die jeweilige Situation die richtige Taktik anzuwenden.



Befehlsfahrzeuge

Von allen befehlshabenen Offizieren eines Regimentes ist der Regimentskommandeur am seltensten in einem BattleMech zu finden. Seine Befehlslanze, die, wenn vorhanden, in der Nähe des Kommandowagens steht, ist die eiserne Reserve des Kommandeurs und wird nur beim entscheidenden Angriff oder bei einer sehr gefährlichen Verteidigung eingesetzt. Tritt die Regimenstführungslanze auf dem Kampfgelände in Erscheinung so ist, nach einem geflügeltes Wort unter MechKriegern, "die Kacke richtig am dampfen".

Cyclops
Cyclops
Häufiger Mech in den
Regimentsführungslanzen
www.voidgamers.com
Die Regimentsführungslanze beinhaltet zumeist auch die spezialisiertesten BattleMechtypen. Dabei geht es weniger um den BattleMech des Kommandeurs selbst, sondern um seine Lanzenmitglieder.
Einer der begehrtesten Mechtypen ist der Cyclops. Dieses Fahrzeug mit seiner hervorragenden Kommunikationsausstattung macht ihn zu einer der Schaltstellen der Befehlsübermittlung wie auch Nachrichtenzusammenfassung. Der Kommunikationsoffizier des Regimentes, der zugleich auch Pilot des Mechs ist, stellt eine sehr vakante Position dar und erfordert hohen Einsatz und viel Erfahrung.
Ein zweiter, sehr spezialisierter und mittlerweile seltener Mechtyp ist der Ostscout. Ein schneller und beweglicher Mech mit starker Sensoreinrichtung der gezielt für die Führung des Regimentes notwendige Information besorgen kann. Da zumeist nicht vorhanden, kann auch auf andere leichte weniger geeignete ScoutMechs ausgewichen werden.
Der BattleMech des Kommandeurs sowie des letzten Lanzenkameraden sind zusammen mit dem Cyclops häufig richtige Schwergewichte die alleine ganze Kämpfe entscheiden können. Häufig sind sie die einzigen SturmMechs im Regiment. Vereinzelt ist aber auch der dritte Mech eine der ganz seltenen wie ein Exterminator oder bei entsprechender Gefahr von Fliegern, ein Rifleman oder JagerMech.

Auf allen anderen Einheitenebenen, also Bataillons- und Kompanieebene, sind normale Befehlsfahrzeuge im Einsatz. Da der Einsatz im Gefechtsschwerpunkt einige häufige Situation für eine Befehlslanze ist, besteht diese zumeist aus schweren bis schwersten Mechtypen, ergänzt durch einen mittelschwere oder leichte ScoutMech.
Als beliebtestes Fahrzeug auf Bataillonsebene gilt der noch am häufigsten vertretende SturmMech Battlemaster. Vor allem die Möglichkeit das Fahrzeug zu zweit zu nutzen, sprich als Doppelcockpit, stellt eine wesentliche Erweiterung der Führungsfertigkeiten des Bataillonskommandeurs dar.
Alternativ wird zumeist auf den Marauder zurückgegriffen.

Auf Kompanieebene konkurrieren vor allem Warhammers mit Marauders, wobei letztere zumindestens noch in der Originalversion über die besseren Führungstechnik verfügt und somit leichter Sieger ist. Aber auch alle anderen Mechtypen werden als Befehlsfahrzeug auf dieser Ebene genutzt, wie auch vereinzelt auf Bataillonsebene.



Fazit

Taktisches agieren auf dem Schlachtfeld durch Mechverbände erfordert sowohl technisches Können, die richtige Ausbildung und richtiges Führen.
Erst wenn alle Aspekte dessen umgesetzt werden, stehen die Chancen gut den Auftrag zu erfüllen und zu überleben.

Die im letzten Abschnitt beschriebenen Fahrzeuge sind ein Ausdruck dessen, in welcher grundlegenden Form die häufigste angewendete Taktik bei Mechkämpfen gesehen wird. Der mit massiven Einsatz von Panzerung und Feuerkraft durchgeführte Stossangriff.

Coki






Kommentare

Bisher noch keine Kommentare.

  Kommentar abgeben
Name:
Text:
 


Erstversion vom 05.01.2008. Letzte Aktualisierung am 04.07.2014.