Feuer am Himmel

05.04.2023

Ra´al II, Staubwüstencanions
Außenweltallianz
27 Juni, 2598

Major Jason Born ließ das Fadenkreuz über den breiten Rumpf eines vorstürmenden CATAPULT wandern und presste dann den Daumen auf den primären TIK. Die Autokanone im linken Arm seines ZEUS und die mittleren Laser im Rumpf vereinten ihre Feuerkraft am linken Bein des Rebellenmechs und wuschen die noch vorhandene Panzerung davon, bevor sie das restliche Bein regelrecht ausweideten und den Mech zu einem höchst komischen Tanz veranlassten, mit dem er versuchte, sein Gleichgewicht zu halten. Doch dieser Versuch war zum Scheitern verurteilt und endete damit, dass sich der vorspringende Rumpf in den steinigen Boden grub.
"Das geht nicht mehr lange gut Sir" meldete sich in diesem Moment die Stimme seines Stellvertreters über Funk und der Born musste ein paar Mal tief durchatmen, bevor er trotz der Hitze antworten konnte: "Das sehe ich selbst. Sag dem HQ, es soll eine Verbindung mit Captain Ramirez aufnehmen und ihn bitten, die TROJA her zu rufen!" "Denken sie, dass die noch rechtzeitig eintreffen werden Sir?" "Wenn nicht, dann können sie wenigstens die verbliebenen Streitkräfte unseres Gegners davon abhalten, zu entkommen" knurrte der Major, bevor er eine Salve Langstreckenraketen abfeuerte.

Aegis-Klasse SLS TROJA
Ra´al II, Außenweltallianz
27 Juni, 2598

Das Kriegsschiff hatte sich gerade auf dem Rückweg zum Sprungpunkt befunden, um seinen KF-Antrieb aufzuladen, als der Funkspruch sie erreichte. Commander Nathaniel Tran ließ sich die Meldung, die sein Kommoffizier gerade von einem ihrer Landungsschiffe erhalten hatte durch den Kopf gehen. Die Bodentruppen der SBVS hatten den einfachen Auftrag erhalten, eine vermeintliche kleine Rebellion relativ friedlich zu beenden. Am Anfang war alles glatt gelaufen und sie hatten deren Landungsschiffe sicher abgesetzt und sie dann zum Planeten begleitet. Nachdem der Kommandant der Einsatztruppe Major Borne ihm versichert hatte, dass keine Unterstützung notwendig sei, hatte Tran die TROJA Kurs auf den Nadirsprungpunkt nehmen lassen, damit sie ihren Antrieb und ihre LF-Batterien aufladen konnten.
Doch nun hatten die Rebellentruppen, die sich freizügig aus dem Material der örtlichen Miliz bedient hatten, noch Verstärkung erhalten und zwar, so schien es, von einer durchaus bekannten Piratenbande. Deren Sprungschiff war vermutlich an einem Piratenpunkt am anderen Ende des Systems materialisiert und die Landungsschiffe hatten den Schatten des Planeten schön zwischen sich und dem abfliegenden Kriegsschiff gelassen, so dass sie nicht geortete wurden, bis es zu spät war.
"Steuer, harte 180 Grad Wende und dann mit vollem Schub zurück zum Planeten!" befahl der Commander nun und ließ sich in seinen Kommandosessel sinken, wo er sich anschnallte. Mit etwas Glück kamen sie noch rechtzeitig genug an, um den Feind zu überraschen, doch falls nicht, konnten sie zumindest dessen Flucht verhindern. Auch wenn das ein schwacher Trost für ihre Kameraden am Boden war.

Ra´al II, Staubwüstencanions
Außenweltallianz
29 Juni, 2598

"Captain Ramirez hat es nicht geschafft" berichtete der Raumfahrer erschöpft, während ihn die anderen Offiziere im HQ-Zelt musterten: "Wir haben noch die VICTORY und mein Schiff, allerdings wurden fast alle unsere Luft/Raumjäger zerstört und unser Treibstoff ist so gut wie aufgebraucht." "Danke Lieutenant Commander" entließ ihn Major Born und wandte sich dann an den Rest seines Stabes: "Damit steht wohl fest, dass diese verfluchten Hunde auch die Lufthoheit haben. Mit zwei Landungsschiffen im Orbit und zwei weiteren hier unten steht es noch schlechter, als gedacht." "Wann wird denn die TROJA hier eintreffen Sir?" wollte Lieutenant Masterson wissen. "Ich hoffe noch rechtzeitig genug, um uns bei einem Verzweiflungsplan zu helfen" erwiderte der Major und setzte ein, hoffentlich aufmunterndes, Lächeln auf: "Denn genau diesen, werden wir jetzt entwerfen."

Aegis-Klasse SLS TROJA
Umlaufbahn von Ra´al II, Außenweltallianz
30 Juni, 2598

"Zwei Landungsschiffe erwarten uns bereits Sir" meldete der Sensortech: "Und sie setzten L/R-Jäger aus. Zwei, Sechs, Zwölf ... Zwölf Stück Sir." "Sie wollen wohl versuchen, uns abzudrängen" erwiderte Nathaniel und klopfte nachdenklich auf die Armlehne seines Sessels. Dann wandte er sich an die streng blickende Frau an den Waffenkontrollen: "Armierung, Weiße-Hai Werfer im Bug auf das Schiff richten, dass uns am nächsten ist! Barracuda- und Autokanonenbreitseiten für einen raschen Vorbeiflug vorbereiten!" "Frontraketen erfassen Ziel, Breitseitenbatterien werden aufgewärmt" bestätigte die Offizierin die Befehle und zufrieden richtete der Commander seine Aufmerksamkeit wieder auf den Sichtschirm. Dieser zeigte dass All vor ihnen und die beiden kugelförmigen Landungsschiffe die, im Schutz ihrer Jäger, dem sich nähernden Kriegsschiff begegnen wollten. Eigentlich eine dumme Aktion, doch sie konnten nichts anderes tun, da ihnen die Chance zur Flucht fehlte und sie scheinbar auf Posten bleiben mussten.
"Flightboss, wir gönnen ihren L/R-Jägern einen Anflug, dann sollen unsere eigenen starten und sie aus dem All fegen!" wies Nathaniel den Mann an, dem die Koordinierung der an Bord befindlichen Jägerstreitkräfte oblag. Nachdem dieser bestätigt hatte, kam just in diesem Moment auch die Meldung des Sensortechs, dass die feindlichen Schiffe in Reichweite waren. "Steuer, voll draufhalten und mitten durch!" entschied der Commander: "Armierung, Bug- und Breitseitengeschütze Feuer frei, sobald die Schiffe in Reichweite sind." "Verstanden Sir, beide Weißer-Hai Raketen haben das vordere Ziel erfasst." Grinsend beugte sich Tran soweit vor, wie es die Gurte zuließen: "Na dann begrüßen wir sie mal. Feuer!"

Zwei Schiffsraketen lösten sich aus den Rohren im vorderen Bereich des Kriegsschiffes und strebten ihrem Ziel entgegen. Das Landungsschiff war schon zu nahe heran, um noch effektiv auszuweichen und das einzige, was sie mit dem Versuch erreichten war, dass die Raketen im hinteren Drittel des Rumpfes einschlugen und die Hälfte der hinteren Steuerdüsen zerstören, sowie das Haupttriebwerk beschädigten. Den Rest erledigten dann die buggelegenen Schiffsautokanonen, die beim näher Kommen durch die Geschütze an der vorderen und dann an der Hauptflanke verstärkt wurden. Meterlange Feuerlanzen zuckten aus den Läufen der Geschütze und Granaten in der Größe eines Menschen schlugen in den Rümpfen der beiden Landungsschiffe ein. Riesige Krater wurden in die Panzerung gesprengt und von vereinzelten Salven aus den Schiffslasern ausgebrannt, bis die Triebwerksflammen endgültig verlöschten und das harte Vakuum mit einem Schwall von Sauerstoff und Leichen gefüttert wurde.
Die gegnerischen Luft/Raumjäger hatten inzwischen zwar den ersten Anflug frei, erreichten gegen die überlegene Panzerung aber nicht genug. Und bevor der erste von ihnen erneut ansetzten konnte, schossen aus den Hangars des Kriegsschiffes die eigenen L/R-Jäger und stürzten sich begierig auf sie.

"Schäden an der Heckpanzerung und wir haben eine der hinteren Steuerdüsen verloren" meldete die Schadenskontrolle: "Und auch eine der Schiffsautokanonen im Heck wurde beschädigt." "Danke, leiten sie die Reparatur so schnell wie möglich ein!" erwiderte Nathaniel und schloss die Verbindung: "Status unserer Ziele?" "Ziel Eins wurde völlig zerstört und Ziel zwei ist schwer beschädigt und driftet Sir" meldete der Sensortech: "Die gegnerischen Raumjäger haben sich zurück gezogen, nachdem sie zwischen unseren eigenen und unseren Geschützen eingeklemmt waren." "Ausgezeichnet" stellte der Commander zufrieden fest: "Flightboss, wir lassen sie ziehen. Rufen sie unsere Jäger zurück und erarbeiten sie einen Patrouillenplan für sie." "Verstanden Captain."
Damit schnallte sich Tran ab und schritt dann zur Funkstation hinüber. Dabei bemerkte er, dass die Schwerkraft langsam abnahm, als die TROJA in die Umlaufbahn einschwenkte. "Verbinden sie mich mit Major Born."
Wenig später erschien der Major auf einem der kleinen Nebenbildschirme und Nathaniel nickte ihm zu: "Sie haben Verstärkung bestellt." "Allerdings Commander und sie sind keine Sekunde zu früh gekommen" erwiderte der Kommandant der Bodenstreitkräfte: "Wir haben uns etwas nettes für unsere Freunde ausgedacht und benötigen dazu ihre Hilfe." "Wie können wir ihnen dienen?" wollte Tran wissen. "Ich schicke ihnen zwei Koordinaten. Die ersten sind die einer Schlucht, die sie, auf ein Signal von mir hin, unter Beschuss nehmen sollen. Und die zweiten sind die derzeitigen Standorte der gegnerischen Landungsschiffe, die sie bitte danach ausschalten sollen." "Das ist alles" tat der Raumfahrer überrascht und setzte dann ein Lächeln auf: "Wir erledigen das für sie Sir. Allerdings sind unsere Schiffsgeschütze nicht 100% präzise und wenn sie eine völlige Zerstörung wollen, dann rate ich ihnen, ihre Truppen mindestens zwei bis vier Klicks entfernt zu halten. Ich denke nämlich nicht, dass sie sonderlich begeistert sind, wenn wir ihnen was aufs Dach Hageln lassen." "Danke für den Tipp Commander, wir werden sehen, was wir tun können. Also dann, erwarten sie meinen Befehl!" "Das mache ich Sir und viel Glück."

Ra´al II, Staubwüstencanions
Außenweltallianz
31 Juni, 2598

Raketen explodierte auf dem Rumpf des ZEUS und Major Born wurde wild hin und her geschleudert. Doch mit Können und Erfahrung hielt er den Kampfkoloss aufrecht und erwiderte das Feuer sogar mit dem vorletzten Magazin seiner Autokanone. Dann blickte er auf einen der Sekundärschirme, auf dem eine Karte angezeigt wurde. Gleich, gleich waren alle in Position. Nur noch einen Augenblick. Ein schwerer Lichtwerfer kochte mit seinem Strahl Panzerung von der linken Schulter des Sternenbundmechs und Jason fluchte leise, dann erhellte sich jedoch seine Mine. Mit einem Schalterwurf öffnete er eine spezielle Verbindung: "TROJA, hier Major Born. Lasst es Feuer vom Himmel regnen!"

Aegis-Klasse SLS TROJA
Umlaufbahn von Ra´al II, Außenweltallianz
31 Juni, 2598

"Armierung, sie haben den Major gehört. Steuerbordbreitseite Feuer!" befahl Nathaniel und blickte dann zum Hauptsichtschirm der eine vergrößerte Ansicht des Zielgebietes zeigte.
Schiffswaffen waren die schwersten Geschütze, die es zur Zeit gab und dazu in der Lage, ein gegnerisches Kriegsschiff zu beschädigen oder gar zu zerstören. Bei einem Orbitalbombardement wurden diese gewaltigen Kräfte gegen Bodenziele freigesetzt und es gab nichts, was dieses Ziel dagegen tun konnte.

Schiffsautokanonen und Schiffslaser erhellten für kurze Zeit den Himmel und durchbrachen die Wolkenschicht, bevor sie auf dem Boden einschlugen. Die meisten Treffer zermalmten die besagte Schlucht und alles, was sich darin befand. Ganze Gliedmaßen von Battlemechs wurden verdampft, während die Granaten von Schiffsautokanonen nicht nur Krater in das steinige Erdreich schlugen, sondern auch Kriegsmaschinen mit höllischen Gewalten auseinander rissen.

"Ich denke das reicht. Armierung, Feuer einstellen! Steuer, Kurs auf Ziel zwei nehmen, wir haben noch einen Job zu erledigen!" befahl Tran, während er sich in seinem Kommandosessel zurück lehnte und noch ein letztes Mal das Bild der Verwüstung musterte. Die Piloten von Battlemechs hielten sich für die Könige des Schlachtfeldes und es gab sicherlich genug Dinge, die nur sie erledigen konnten. Genau wie jede andere Waffe, die für etwas spezielles konstruiert war. Aber die gewaltigen Energien eines Kriegsschiffes waren immer noch einmalig gigantisch und konnten von wirklich keinem anderen Kriegsgerät erzeugt werden. Das war einer der Gründe, warum Commander Nathaniel Tran seinen Job sie liebte.


Älterer Artikel von mechforce.de. Nicht mehr online.




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Erstversion vom 05.04.2023. Letzte Aktualisierung am 05.04.2023.


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